Guter Espresso braucht nicht viel – Wie Sie mit einfach Mitteln einen echt guten Espresso hinbekommen.

Guter Espresso braucht nicht viel – Wie Sie mit einfach Mitteln einen echt guten Espresso hinbekommen.

Disclaimer: Dieser Artikel ist für Siebträgermaschinen-Besitzer gedacht und handelt von deren Benutzung. Artikel zur Benutzung anderer Maschinen folgen später.

Früher haben sich die Leute überdimensionierte Fernseher ins Wohnzimmer gestellt, heute sind es Espressomaschinen, die so viel kosten wie ein Kleinwagen. Soweit eine gute Entwicklung. Allerdings hat sich dadurch der Glaube breit gemacht man könne ohne diese Maschinen keinen guten Espresso zubereiten – was falsch ist.
Natürlich kann ein guter Musiker auf einer Stradivari besser spielen als auf einer billigen Geige. In erster Linie muss er aber erst einmal Geiger sein. In diesem Text lernen Sie wie sie auch mit günstigen Mitteln sehr guten Espresso machen. Wenn Sie das gelernte anschließend mit einer besseren Maschine anwenden, wird ihr Kaffee natürlich noch einmal besser werden – aber nicht so sehr, wie Sie gerade noch denken.

Der Schlüssel heißt Konstanz

Beim Zubereiten von Kaffee variierten Sie den Mahlgrad, die Bohnen, die Bohnenmenge, die Ausgabemenge und ggf. die Wassertemperatur. Auf diese Variablen haben Sie Einfluss. Hinzu kommen alterungsbedigte Anforderungsänderungen in den Bohnen selbst. Um einen guten Espresso zuzubereiten müssen Sie genau den Sweetspot treffen, an dem alle Variablen perfekt zusammenspielen.
Das kann beim ersten Ausprobieren eigentlich nicht funktionieren. Und selbst wenn es dann einmal gelingt, ist das köstliche Ergebnis nicht reproduzierbar.
Der Schlüssel heißt Konstanz. Beim ‚naiven zubereiten‘ werden so viele dieser Variablen gleichzeitig geändert, dass völlig unklar bleibt, welche Änderung zum Erfolg geführt hat. Genau das werden Sie jetzt ändern.
Gelingt es Ihnen aber die vorgenommenen Änderungen nachvollziehbar und reproduzierbar zu machen, wissen wir nicht nur, dass ein Kaffee mal besser mal schlechter schmeckt, sondern auch warum. Mit diesem Wissen werden Sie in der Lage sein konstant einen echt guten Kaffee zuzubereiten.

Alles was Sie dafür brauchen sind ein Stift, ein Papier und ein Smartphone.

Die Basics

Ein perfekter Espresso wird mit 8 Gramm Kaffeebohnen zubereitet und läuft bei 9 Bar durch die Maschine. Dabei sollten nach 30 Sekunden 16 ml Espresso in Ihrer Tasse sein. Wenn Sie um diese Werte ein Intervall von +/- zehn Prozent ziehen, werden Sie den Sweetspot fast aller Bohnen in diesem Intervall finden.

Falls Sie keine Waage zum Abwiegen der Bohnen haben, füllen Sie Ihren Siebträger einmal gestrichen mit Bohnen, um die Menge zu definieren.
Eine Druckanzeige an Ihrer Maschine hilft, ist aber nicht notwendig.

Einen Referenzwert schaffen

So viel zur Theorie. Nun ist es Zeit Ihren ersten Espresso zu ziehen. Wählen Sie einem mittleren Mahlgrad an ihrer Mühle, oder mahlen Sie den Kaffee 20 Sekunden in einer Elektrischen Mühle mit Schlagwerk.
Notieren Sie den Mahlgrad oder die Mahlzeit.

Nachdem Sie den Kaffee in den Siebträger gefüllt haben, geht es ans tampern (Kaffee in den Siebträger drücken). Und das machen Sie immer, immer, immer, immer gleich. Mit dem gleichen Druck, die gleiche Zeit, egal welcher Kaffee. Das tampern lässt sich nicht zuverlässig messen und muss nicht geändert werden, wenn Sie am Mahlgrad arbeiten. Also lassen Sie es sein.

Ziehen Sie nun Ihren Espresso. Achten Sie darauf, dass Sie immer die gleiche Menge zubereiten, auch diese Variable sollte immer konstant bleiben. Dabei gilt es auf drei Dinge zu achten. Wie lange läuft der Kaffee durch? Bei welchem Druck? Und wie ist die Crema?
Messen und notieren Sie diese Dinge.

Nun endlich dürfen Sie den Espresso probieren. Schließen Sie die Augen, entspannen Sie sich und lehnen sich zurück. Es war ein langer Weg bis hier, Sie haben sich das verdient….
Und dann notieren Sie Ihre Eindrücke.

Sie sollten nun den Namen des verwendeten Kaffees, den Mahlgrad/die Mahlzeit, die Durchlaufzeit, ggf. den Druck und ihren persönlichen Eindruck aufgeschrieben haben.

So könnten Ihre Aufzeichnungen zum Beispiel aussehen.

Der lange Weg des Optimierens

Jetzt geht es ans Optimieren. Von allem Variablen und Konstanten verändern Sie ab jetzt nur noch eine einzige – den Mahlgrad.

Ist die Durchlaufzeit und/oder der Durchlaufdruck zu hoch, mahlen Sie weniger fein und andersherum.

Ein perfekter Espresso wird mit 8 Gramm Kaffeebohnen zubereitet und läuft bei 9 Bar durch die Maschine. Dabei sollten nach 30 Sekunden 16 ml Espresso in Ihrer Tasse sein. Diese Werte versuchen Sie nun durch kontinuierliches Messen und Korrigieren zu erreichen.
Das Wesentlich wissen Sie nun, lassen Sie es sich schmecken.

Ein paar abschließende Details

Guter Kaffee braucht gute Bohnen. Finger weg von Diskcounterbohnen. Tun Sie sich den gefallen und probieren Sie verschiedene Röstereien und Bohnen aus. Oder vielleicht doch direkt einen eigenen STIL BRUCH Blend?

Ohne Mühle geht es nicht. Mühlen sind mittlerweile auch so günstig zu haben, dass Sie wirklich keine Ausrede mehr haben, keine zu besitzen. Lassen Sie sich auch nicht von der Kaffee-Community verunsichern. Eine billige Mühle ist schlechter als eine teure – aber viel besser als keine.

Vertrauen Sie Ihrer Zunge. Zahlen sind wichtig – aber Sie sind nichts wert, wenn der Kaffee Ihnen nicht schmeckt. Vertrauen Sie mir, Sie wissen schon was Ihnen schmeckt.

Falls Sie eine Mühle mit rotierender Klinge benutzen, schütteln Sie diese während des Mahlens für ein gleichmäßigeres Ergebnis. Je länger Sie einen Kaffee lagern, desto länger müssen Sie ihn malen, um den Sweetspot zu erreichen. Wenn Sie ein gutes Ergebnis von vor zwei Monaten haben, schlagen Sie noch einmal zwei Sekunden auf die ursprüngliche Mahlzeit.
Falls Sie eine Mühle haben, bei der Sie den Mahlgrad einstellen können, müssen Sie nichts ändern.

Mit dem gleichen Prinzip können Sie sich an alle anderen Kaffee Getränke wie Kaffee Creme oder Espresso Lungo herantasten. Die Bohnenmenge und Durchlaufzeit bleiben gleich, Druck und Kaffeemenge steigen dann an.

Genießen nicht vergessen. Kaffee ist und bleibt ein Hobby. Es ist wie im Bett – richtig gut werden Sie erst, wenn Sie sich vom Leistungsdruck frei machen.

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